und mal wieder INSTAGRAM
Instagram – lange war es für mich wie ein Tor zur Welt. Dort gab es so viele kreative und interessante Menschen, inspirierende Ideen, spannende Einblicke und echte Gespräche. Es war ein Ort, an dem man Neues entdecken, sich austauschen und einfach gerne Zeit verbringen konnte.
Doch irgendwann änderte sich etwas. Immer mehr Menschen entdeckten, dass sich mit ständiger Präsenz auf dieser Plattform viel Geld verdienen lässt. Influencer schossen wie Pilze aus dem Boden, Firmenwerbung wurde allgegenwärtig und gefühlt wollte plötzlich jeder etwas verkaufen – nicht etwa etwas selbst hergestelltes oder mit Herz und Können Geschaffenes, sondern Werbung für Putzsteine, Unterwäsche, Socken und allerlei andere Produkte. Instagram wurde immer mehr zum Shoppingkanal. Das war vielleicht noch auszuhalten.
Was mich aber wirklich ermüdet, sind die unzähligen selbst ernannten „Heilsbringer“. Menschen, die mir und allen anderen erklären wollen, wie wir endlich glücklich, reich, erfolgreich, zufrieden oder erfüllt werden – und das natürlich möglichst schnell und ganz unkompliziert. Für jedes Problem gibt es angeblich die perfekte Methode, den geheimen Schlüssel oder das exklusive Coaching. Man müsse nur ihrem System folgen, ihren Kurs kaufen oder ihre fünf einfachen Schritte umsetzen.
Dabei habe ich den Eindruck, dass es längst nicht mehr darum geht, Menschen wirklich weiterzuhelfen. Viel häufiger wird mit Sehnsüchten, Unsicherheiten und der Hoffnung auf ein besseres Leben gearbeitet – oder besser gesagt: Geschäfte gemacht. Es entsteht das Gefühl, nie gut genug zu sein, immer noch etwas optimieren zu müssen und ständig einem neuen Versprechen hinterherzulaufen.
Und leider ist inzwischen noch etwas anderes passiert. Viele – so scheint es jedenfalls – sind Instagram-müde geworden. Mich eingeschlossen. Man wischt sich durch Posts, Reels und Storys, oft ohne wirklich hinzuschauen. Es gibt kaum noch Likes, kaum Kommentare, kaum echten Austausch. Stattdessen landen nicht selten respektlose oder gar beleidigende Nachrichten im Direktpostfach. Das stimmt mich nachdenklich.
Möchte ich das wirklich noch? Diese Frage habe ich mir schon so oft gestellt. Ich habe sie mehr als einmal mit einem klaren Nein beantwortet – und trotzdem weitergemacht. Aus Hoffnung. Aus der Hoffnung, dass sich vielleicht doch wieder etwas verändert. Dass wieder mehr Miteinander entsteht, mehr Interesse aneinander, mehr echte Begegnungen statt Algorithmen und Selbstdarstellung.
Vielleicht bin ich altmodisch geworden. Aber ich wünsche mir wieder mehr Echtheit. Mehr Menschen, die ihre Erfahrungen teilen, ohne gleich ein Geschäftsmodell daraus zu machen. Mehr Inspiration statt Selbstoptimierung um jeden Preis. Denn das, was Instagram für mich einmal ausgemacht hat, war nicht die perfekte Inszenierung oder das nächste Erfolgsrezept, sondern die Vielfalt, die Kreativität und die Begegnungen mit Menschen, die einfach etwas zu erzählen hatten.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, loszulassen. Nicht aus Frust oder Bitterkeit, sondern weil manches seine Zeit hatte. Und vielleicht wartet das echte Leben mit seinen Begegnungen, Gesprächen und Inspirationen ohnehin dort, wo kein Algorithmus entscheidet, was wir als Nächstes sehen.
Vielleicht kehre ich auch ganz altmodisch zu dem zurück, was ich schon immer geliebt habe: dem Schreiben eines Blogs und dem Versenden von Newslettern. Zu einem Ort, an dem echte Verbindungen entstehen können. Zu Menschen, die sich bewusst dafür entscheiden, meine Gedanken zu lesen und sich für das interessieren, was ich schreibe und mit viel Herzblut herstelle. Ganz ohne Algorithmus, ohne Reichweitenjagd und ohne den ständigen Druck, sichtbar sein zu müssen. Vielleicht ist genau das die Art von Austausch, die ich mir schon lange wieder wünsche.



